{"id":26,"date":"2015-06-29T13:35:31","date_gmt":"2015-06-29T13:35:31","guid":{"rendered":"http:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/?page_id=26"},"modified":"2017-10-08T17:33:49","modified_gmt":"2017-10-08T15:33:49","slug":"themen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/?page_id=26","title":{"rendered":"Erinnerungsort Uran"},"content":{"rendered":"<h3>Die Erinnerungskultur des Uranabbaus in der deutsch-tschechischen Grenzregion<\/h3>\n<p>Der Begriff Erinnerungsorte (tschechisch: m\u00edsta p\u00e1m\u011bti, franz\u00f6sisch: lieux de m\u00e9moires) wurde gepr\u00e4gt vom franz\u00f6sischen Historiker Pierre Nora. In seinem siebenb\u00e4ndigen Werk \u201eLes lieux de m\u00e9moires\u201c, das in den 1980er und 90er Jahren erschien, trug er 130 \u201eOrte\u201c zusammen, an und \u201ein denen sich das Ged\u00e4chtnis der Nation Frankreich in einem besonderen Ma\u00dfe kondensiert, verk\u00f6rpert oder kristallisiert hat.\u201c Essays zu den einzelnen \u201eOrten\u201c beschrieben, welche Bedeutung sie f\u00fcr die franz\u00f6sische Identit\u00e4t besa\u00dfen und besitzen sowie wie und wodurch sich diese Bedeutungen im Laufe der Zeit ver\u00e4nderten. Weitere Wissenschaftler \u00fcbertrugen Noras Konzept der Erinnerungsorte. Im Jahr 2001 erschein das von den Historikern Etienne Fran\u00e7ois und\u00a0 Hagen Schulze herausgegebene dreib\u00e4ndige Werk \u201eDeutsche Erinnerungsorte\u201c.<\/p>\n<p>Anhand der \u201eDeutschen Erinnerungsorte\u201c soll knapp erkl\u00e4rt werden, welch unterschiedlich geartete reale oder metaphorische \u201eOrte\u201c die Erinnerungsorte umfassen k\u00f6nnen. Reale Erinnerungsorte (wie zum Beispiel die Berliner Mauer) verkn\u00fcpfen Menschen einer bestimmten Gesellschaft mit f\u00fcr sie bedeutsamen historischen oder sagenhaften Ereignissen (in unserm Beispiel die Teilung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg sowie den Fall der Mauer mit der Wiedervereinigung).\u00a0 Zu den metaphorischen Orten, die nur im \u00fcbertragenen Sinne Orte darstellen, geh\u00f6ren historische Pers\u00f6nlichkeiten, Ereignisse, Prozesse oder auch Zeitangaben (zum Beispiel Goethe, der Westf\u00e4lische Friede, Flucht und Vertreibung oder 1968), die Menschen einer bestimmten Gesellschaft (hier der deutschen) mit bestimmten Erinnerungen, Vorstellungen und Bildern verbinden.<\/p>\n<p>Erinnerungskultur (tschechisch: kultura pam\u011bti) kann man mit Hans G\u00fcnther Hockerts verstehen als Sammelbegriff \u201ef\u00fcr die Gesamtheit des nicht spezifisch wissenschaftlichen Gebrauchs der Geschichte in der \u00d6ffentlichkeit \u2013 mit den verschiedensten Mitteln und f\u00fcr die verschiedensten \u201aZwecke\u201c. Im Vordergrund steht die\u00a0 Bedeutung der Vergangenheit f\u00fcr die Gegenwart und die Identit\u00e4t von Gesellschaften und gesellschaftlichen Gruppen. Christoph Corneli\u00dfen versteht Erinnerungskultur als \u201eformale[n] Oberbegriff f\u00fcr alle denkbaren Formen der bewussten Erinnerung an historische Ereignisse, Pers\u00f6nlichkeiten und Prozesse [\u2026], seien sie \u00e4sthetischer, politischer oder kognitiver Natur.\u201c Er schlie\u00dft als Tr\u00e4ger von Erinnerungskultur neben sozialen Gruppen, Nationen und Staaten auch Individuen mit ihren pers\u00f6nlichen Erinnerungen ein, insofern sie in der \u00d6ffentlichkeit Spuren hinterlassen haben. Die Aneignung erinnerter Vergangenheit \u00a0verl\u00e4uft vornehmlich \u00fcber Texte, visuelle Medien, Denkm\u00e4ler, Bauten, Feste, Rituale und gedankliche Ordnungen.<\/p>\n<p>Warum betrachten wir auf diesen Internetseiten Uran oder den\u00a0 Uranabbau in der deutsch-tschechischen Grenzregion in Zusammenhang mit Erinnerungsorten und Erinnerungskultur? Die Erinnerung an den Uranabbau in der deutsch-tschechischen Grenzregion Erzgebirge ist in den heutigen Gesellschaften Deutschlands und Tschechiens v\u00f6llig anders geartet. In Deutschland ist die Erinnerung regional konzentriert auf die \u00f6stlichen Bundesl\u00e4nder. Das Zentrum der Erinnerungen bildet das 1947 gegr\u00fcndete sowjetische (sp\u00e4ter sowjetisch-deutsche) Unternehmen WISMUT, das die s\u00e4chsischen und th\u00fcringischen Uranvorkommen f\u00fcr das sowjetische Atomprogramm ausbeuten sollte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ebenfalls in der Tschechoslowakei Uran f\u00fcr die UdSSR abgebaut. Im heutigen Tschechien (sowie der Slowakei) steht die Stadt J\u00e1chymov (deutsch: St. Joachimsthal) als Symbol f\u00fcr den Uranabbau. Man erinnert sich besonders an die vielen politischen H\u00e4ftlinge des tschechoslowakischen kommunistischen Regimes, die dort seit 1948 in Zwangsarbeit Uran f\u00f6rdern mussten. Da die politischen H\u00e4ftlinge aus dem ganzen Land nach J\u00e1chymov (und zu weiteren St\u00e4tten des Uranbergbaus) gebracht wurden, ist die Erinnerung in der heutigen tschechischen (und slowakischen) Gesellschaft eher gesamtstaatlich.<\/p>\n<p>Diese Webseite stellt neben grundlegenden Informationen zur Geschichte des Uranbergbaus in der deutsch-tschechischen Grenzregion einschl\u00e4gige Erinnerungsorte, Medien und Tr\u00e4ger der Erinnerungskultur vor. Warum es lohnend f\u00fcr Lehrer und Sch\u00fcler ist, sich  mit diesen Themen zu besch\u00e4ftigen erfahren Sie auf der Seite <a href=\"http:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/?page_id=381\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong><u>IM UNTERRICHT<\/u><\/strong><\/a>.<\/p>\n<h3>Literatur<\/h3>\n<p>Corneli\u00dfen, Christoph, Was hei\u00dft Erinnerungskultur? Begriff \u2013 Methoden \u2013 Perspektiven. In: GWU 10 (2003), S. 548-563.<\/p>\n<p>Fran\u00e7ois, Etienne, Schulze, Hagen (Hgg.), Deutscher Erinnerungsorte. 3 Bde., M\u00fcnchen: Beck, 2001.<\/p>\n<p>Hlava\u010dka, Milan, Erinnerungsorte und deren Verortung im historischen und gesellschaftlichen \u201eBetrieb&#8220;. In: Meyer, Katharina (Hg.), Erinnerungsorte des deutsch-tschechischen Zusammenlebens. Sammelband mit Beitr\u00e4gen zur Konferenz der Arbeitsgruppe des Deutsch-Tschechischen Gespr\u00e4chsforums Erinnerungsorte in Cheb 5.6.2010, Praha: Antikomplex, 2011, S. 16-24.<\/p>\n<p>Hockerts, Hans G\u00fcnther, Zug\u00e4nge zur Zeitgeschichte. Prim\u00e4rerfahrung, Erinnerungskultur, Geschichtswissenschaft. In: Jarausch, Konrad H., Sabrow, Martin (Hgg.), Verletztes Ged\u00e4chtnis. Erinnerungskultur und Zeitgeschichte im Konflikt, Frankfurt a. M.: Campus, 2002, S. 39-73.<\/p>\n<p>Meyer, Katharina (Hg.), Erinnerungsorte des deutsch-tschechischen Zusammenlebens. Sammelband mit Beitr\u00e4gen zur Konferenz der Arbeitsgruppe des Deutsch-Tschechischen Gespr\u00e4chsforums Erinnerungsorte in Cheb 5.6.2010, Praha: Antikomplex, 2011.<\/p>\n<p>Nora, Pierre, Fran\u00e7ois, \u00c9tienne (Hgg.),\u00a0 Erinnerungsorte Frankreichs. M\u00fcnchen: Beck, 2005.<\/p>\n<p>Nos\u00e1lek, Petr (Hg.), M\u00edsta pam\u011bti n\u00e1roda. Pr\u016fvodce po m\u00edstech spojen\u00fdch s ud\u00e1lostmi 2. sv\u011btov\u00e9 v\u00e1lky, Brno: Jota, 2015.<\/p>\n<p>\u0160ustrov\u00e1, Radka, H\u00e9dlov\u00e1, Lubom\u00edra (Hgg.), \u010cesk\u00e1 pam\u011b\u0165. N\u00e1rod, d\u011bjiny a m\u00edsta pam\u011bti. Praha: Academia, 2014.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Erinnerungskultur des Uranabbaus in der deutsch-tschechischen Grenzregion Der Begriff Erinnerungsorte (tschechisch: m\u00edsta p\u00e1m\u011bti, franz\u00f6sisch: lieux de m\u00e9moires) wurde gepr\u00e4gt vom franz\u00f6sischen Historiker Pierre Nora. 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