{"id":315,"date":"2015-09-25T00:10:55","date_gmt":"2015-09-25T00:10:55","guid":{"rendered":"http:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/?p=315"},"modified":"2026-03-31T08:13:42","modified_gmt":"2026-03-31T06:13:42","slug":"strahlende-gefahr-fuer-den-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/?p=315","title":{"rendered":"Die Bergkrankheit: \u201eStrahlende Gefahr f\u00fcr den Menschen\u201c"},"content":{"rendered":"<h2><span style=\"color: #808080;\">Quelle<\/span><\/h2>\n<blockquote><p>\u201e\u2026\u00a0Aus den Routineuntersuchungen der Bergleute aus den Urangruben ging bereits in den 1930er Jahren hervor, dass die Arbeit im Abbau und der Erstverarbeitung gesundheitssch\u00e4dlich war, dass die Bergm\u00e4nner von St. Joachimsthal [J\u00e1chymov] ein Durchschnittsalter von 33 Jahren erreichten, dass sie w\u00e4hrend ihres Lebens an diversen Organ- und Funktionsst\u00f6rungen oder Krankheiten litten und ihr Tod oft von einer Kombination aus Lungenkrebs und Staublunge (Silikose) verursacht wurde. Deshalb wurde die Gesamtheit er erw\u00e4hnten spezifischen Erkrankungen dieser Bergleute [in der Tschechoslowakei] Joachimsthaler Bergkrankheit genannt, in Deutschland Schneeberger Krankheit.<\/p>\n<p>Der Erforschung dieser Krankheit widmete sich eine Stiftung, die [der tschechoslowakische Staatspr\u00e4sident] T.G. Masaryk mit einer pers\u00f6nlichen Stiftung i.H.v. 300 000 Tschechoslowakischen Kronen begr\u00fcndete. Dort untersuchten f\u00fcr die Tschechoslowakei das Problem der Joachimsthaler Bergkrankheit vor allem die Professoren der Prager Karlsuniversit\u00e4t Franti\u0161ek B\u011bhounek, He\u0159man \u0160ikl,\u00a0Peln\u00e1\u0159 sowie\u00a0der Chefarzt des Joachimsthaler Kurbades Dr.\u00a0Markl. In Deutschland forschte am Max-Planck-Institut, damals noch Kaiser-Wilhelm-Institut<em>, <\/em>an der gleichen Problematik eine Wissenschaftlergruppe unter der Leitung von Prof. Rajewsky.<\/p>\n<p>Die schon vor dem Zweiten Weltkrieg erfolgten Forschungen ergaben als eindeutige Ursache f\u00fcr die Joachimsthaler Bergkrankheit die hohe Strahlenbelastung der Bergleute durch die nat\u00fcrliche Radioaktivit\u00e4t des Urans und seiner Zerfallsprodukte (Radon, Uran-Aerosole) und durch die von Natur aus radioaktiven Materialien vor Ort. Erst im Jahr 1939 f\u00fchrte Dr. A. Brandt vom Institut f\u00fcr Arbeitshygiene an der Berliner Universit\u00e4t die erste umfassende Untersuchung des Gesundheitszustandes der Joachimsthaler Bergleute durch. Er brachte dabei seine Erfahrungen von der Untersuchung deutscher Bergleute aus den Urangruben im Umfeld von Aue und Schneeberg ein. Bei den Joachimsthaler Bergm\u00e4nnern beschrieb Brandt eine Ver\u00e4nderung in der Blutbildung schon nach zweij\u00e4hriger Strahlenaussetzung. Au\u00dferdem stellte er fest, dass die Mehrheit von ihnen an einer Staublunge litt und dass erste b\u00f6sartige Tumore in den Atemwegen meist erst nach mindestens zehn Jahren andauernder Strahlenbelastung auftraten (\u2026).&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"color: #808080;\"><strong>M8:<\/strong> RNDr. Hubert Proch\u00e1zka, CSc., [Vorstandsmitglied der Konf\u00f6deration politischer H\u00e4ftlinge der Tschechischen Republik], Rozbor pracovn\u00edch rizik p\u0159i otrock\u00e9 pr\u00e1ci v\u011bz\u0148\u016f v\u00a0J\u00e1chymovsk\u00fdch dolech v\u00a0letech 1949-1960 [Analyse der Arbeitsrisiken bei der Zwangsarbeit der H\u00e4ftlinge in den Gruben von J\u00e1chymov in den Jahren 1949-1960], 19.01.2006, Quelle: [Internetseiten der Konf\u00f6deration politischer H\u00e4ftlinge der Tschechischen Republik]\u00a0<strong><a style=\"color: #808080;\" title=\"www.kpv-cr.cz\" href=\"http:\/\/www.kpv-cr.cz\/uranove-doly-zdnesniho-pohledu\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">http:\/\/www.kpv-cr.cz\/uranove-doly-zdnesniho-pohledu\/<\/a><\/strong> (25.09.2015).<\/span><\/p>\n<h2>Sachanalyse<\/h2>\n<p>Radioaktivit\u00e4t hat ihren Ursprung in den von Natur aus strahlenden Elementen Uran, Radium und Thorium. Mediziner f\u00fcrchten in diesem Zusammenhang das radioaktive Gas Radon (Rn), das durch die Umwandlung von Radium entsteht. Radon ist farb- und geruchslos und ist schwerer als Luft. Bei seiner Umwandlung gibt es radioaktive Strahlung in Form von Alpha-Teilchen ab. Alpha-Strahlung hat zwar eine geringe Durchl\u00e4ssigkeit, ihre Hauptgefahr liegt aber darin, dass Menschen sie wie Radon in der Luft einatmen. Bei langfristiger Einwirkung schadet das Gas dem menschlichen Organismus. Eine sehr intensive Alpha-Strahlen-Aussetzung kann zum sofortigen Tod f\u00fchren. Eine weitere Gefahr stellt Gama-Strahlung dar, die mit der R\u00f6ntgen-Strahlung vergleichbar ist. Der Strahlung ausgesetzten Personen droht eine erh\u00f6hte Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Leuk\u00e4mie und die Bildung b\u00f6sartiger Tumore, die erst nach Jahrzehnten auftreten kann. Ein stark gesundheitsgef\u00e4hrdender Faktor f\u00fcr Menschen in Betrieben, die Uran f\u00f6rdern oder verarbeiten, sind zudem Aerosole \u2013 kleinste Uranstaubteilchen mit einer Gr\u00f6\u00dfe von unter 10 Mikrometern in der Luft.<\/p>\n<p>Bergleute hatten kein einfaches Leben. Bergungl\u00fccke konnten f\u00fcr sie t\u00f6dlich enden oder sie zu Invaliden machen. Seit dem Mittelalter wusste man, dass ihre Lebenserwartung deutlich k\u00fcrzer ausf\u00e4llt als die der Menschen in ihrem Umfeld und dass sie an einer typischen Bergkrankheit leiden. Jedoch erst seit dem 20. Jahrhundert wandten sich die Mediziner den Arbeitsrisiken beim Untertagebau zu. Der folgende Text von RNDr. [Doktor der Naturwissenschaften, Anm. der \u00dcbersetzerin] Hubert Proch\u00e1zka, Vorstandsmitglied der Konf\u00f6deration politischer H\u00e4ftlinge der Tschechischen Republik, beschreibt auf den Internetseiten dieser Vereinigung die Gesundheitsgef\u00e4hrdung der zwangsarbeitenden H\u00e4ftlinge in den Urangruben von J\u00e1chymov (St. Joachimsthal) in den Jahren 1949-1960. Das tschechoslowakische kommunistische Regime, das seine politischen Gegner verfolgte und viele von ihnen zwang, Uran abzubauen und zu verarbeiten, nahm die gesundheitlichen Risiken f\u00fcr die politischen H\u00e4ftlinge in Kauf. Zahlreiche H\u00e4ftlinge starben unter den unmenschlichen Bedingungen, andere trugen lebenslange gesundheitliche Folgen davon. Auch deswegen nannten sie die Zwangsarbeit oft \u201edie H\u00f6lle von J\u00e1chymov\u201c. Nach dem Ende des kommunistischen Regimes in der Tschechoslowakei im Jahr 1990 wurde die Konf\u00f6deration politischer H\u00e4ftlinge der Tschechischen Republik gegr\u00fcndet. Sie vertritt die Anliegen der ehemaligen politischen H\u00e4ftlinge, auch derer die im Uranbergbau eingesetzt waren, in der \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<h2><span style=\"color: #00ccff;\">Arbeitsauftr\u00e4ge<\/span><\/h2>\n<ol>\n<li><span style=\"color: #00ccff;\">Fasse zusammen, welche Erkrankungen die Arbeit im Uranbergbau in vielen F\u00e4llen verursachte.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #00ccff;\">Erstelle eine Tabelle, in die du f\u00fcr die Tschechoslowakische Republik und das Deutsche Reich eintr\u00e4gst, wie die Bergkrankheit in den beiden Staaten genannt wurde, welche Institutionen sich der Erforschung der Krankheit jeweils widmeten und in welchen Zeitraum die Forschungen stattfanden.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #00ccff;\">In den Jahren 1949-1960 inhaftierte das tschechoslowakische kommunistische Regime viele seiner politischen Gegner und zwang sie zur Arbeit in den Urangruben von J\u00e1chymov. Auf Arbeitssicherheit und Gesundheit der H\u00e4ftlinge legte das Regime nur wenig Wert. Finde Argumente, warum das das kommunistische Regime seinen politischen Gegnen die in der Quelle genannten Arbeitsrisiken im Uranbergbau zumutete.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #00ccff;\">Auf der s\u00e4chsischen Seite des Erzgebirges waren in den Uranbergwerken der DDR im selben Zeitraum \u00fcberwiegend zivile Bergleute t\u00e4tig. \u00dcberdurchschittliche L\u00f6hne sowie eine gute Versorgung mit Lebens- und Genussmitteln machten den Uranbergbau dort attraktiv. Diskutiere, ob diese Vorteile die in der Quelle geschilderten Gesundheitsrisiken ausgleichen konnten.<\/span><\/li>\n<li><span style=\"color: #00ccff;\">Erl\u00e4utere, zu welchem Zweck der Text, der den Internetseiten der Konf\u00f6deration politischer H\u00e4ftlinge der Tschechischen Republik entnommen ist, verfasst sein k\u00f6nnte. Bedenke dabei den Autoren des Textes.<\/span><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle \u201e\u2026\u00a0Aus den Routineuntersuchungen der Bergleute aus den Urangruben ging bereits in den 1930er Jahren hervor, dass die Arbeit im Abbau und der Erstverarbeitung gesundheitssch\u00e4dlich war, dass die Bergm\u00e4nner von St. Joachimsthal [J\u00e1chymov] ein Durchschnittsalter von 33 Jahren erreichten, dass sie w\u00e4hrend ihres Lebens an diversen Organ- und Funktionsst\u00f6rungen oder Krankheiten litten und ihr Tod [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5,10],"tags":[],"class_list":["post-315","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bergbau-im-erzgebirge-de","category-aufgaben-de"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/4"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=315"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1092,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/315\/revisions\/1092"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=315"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=315"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/uran-deutsch-tschechischer-erinnerungsort.info\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=315"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}